Sven Rodemann über Gleisvermessung, Generalsanierungen und warum ein Zeitumkehrer seine liebste Superkraft wäre
Sven Rodemann kommt ursprünglich aus der Prignitz und ist seit 2018 bei GI-CONSULT, zunächst als Praktikant, dann als dualer Student, heute als Projektleiter für Hochleistungskorridore. Er lebt mit seiner Partnerin und zwei Hunden, Iona und Nuniq, die über die Tierschutzgruppe Herzensmenschen vermittelt wurden, in Dresden. In seiner Freizeit zieht es ihn nach draußen: wandern, campen, Bikepacking. Sein Weg zur Vermessung war alles andere als geradlinig.
Sven, wie bist du zur Vermessung und zum Hochleistungskorridor Hamburg-Berlin gekommen?
Nach dem Abi war ich bei der Bundeswehr, dann habe ich etwas anderes studiert. Das war aber nicht das Richtige. Ich habe etwas gesucht, das besser zu mir passt, etwas, wo ich viel draußen sein kann und mit räumlicher Orientierung und Kartenlesen zu tun habe. Vermessung passt da gut. Über ein Praktikum bin ich zu GI-CONSULT gekommen und habe hier dann mein duales Studium der Geomatik absolviert. Was mich an der Arbeit reizt, ist die Detektivarbeit: Auffälligkeiten finden, Ungenauigkeiten nachgehen, eine Art wissenschaftliche Ursachenforschung. In das Thema Hochleistungskorridore bin ich durch die Riedbahn gekommen. Als deren Generalsanierung 2024 startete, habe ich nach und nach immer mehr Aufgaben übernommen. Heute bin ich Projektleiter für den Hochleistungskorridor Hamburg-Berlin.
Was machst du da genau?
Ich koordiniere die Vermessung unserer Streckenabschnitte bei der Generalsanierung. Eine stark befahrene Strecke wird für etwa ein Dreivierteljahr komplett gesperrt. In diesem Zeitraum wird versucht, so viel wie möglich auf einmal zu sanieren. Ich bin dabei das Bindeglied zwischen GI-CONSULT und dem Auftraggeber: Aufträge entgegennehmen, Umsetzung koordinieren, Ergebnisse prüfen und weitergeben. Dazu koordiniere ich bis zu 20 Personen im Außen- und Innendienst, auf Streckenabschnitten von bis zu 120 Kilometern Länge. Auf so einer Großbaustelle muss man ständig Prioritäten setzen. Wenn ein Absteckpflock fehlt und der Betonmischer schon steht, muss sofort entschieden werden. Im Kern ist es Kommunikation, Koordination und Konfliktlösung.
Was waren deine witzigsten oder intensivsten Momente bei einem HLK-Projekt?
Während der Riedbahn-Sanierung ist einmal einer unserer Kollegen am 11.11. als Yoshi durch die Unterkunft gelaufen und hat Süßigkeiten verteilt. Er trug dieses grüne Kostüm, gute Laune, alle haben gelacht. Die großen Projekte sind sehr intensiv, aber abends am Grill zusammenzusitzen und zu merken, wie man als Team zusammenwächst, das macht sie auch besonders. Manchmal ist es wie in einer Studi-WG, wenn jemand mal wieder seine angefangene Milch neben dem Kühlschrank stehen lässt. Und dann gibt es Momente mit ganz persönlichem Bezug wie am HLK Hamburg-Berlin. Ich komme aus der Region, wurde 500 Meter vom Bahnhof Ludwigslust entfernt geboren, und sehe jetzt, wie er umfassend umgebaut wird. Und wir als GI-CONSULT sind Teil davon.
Wie siehst du das Konzept der Generalsanierung, persönlich und aus der Perspektive von GI-CONSULT?
Den Grundgedanken der Generalsanierungen halte ich für sinnvoll und leider längst überfällig. Unser Schienennetz hat über Jahre gelitten, das merkt man auch als Fahrgast allzu häufig. Die konzentrierten Bauzeiträume bringen allerdings alle Beteiligten an ihre Grenzen, nicht nur uns, sondern auch die Baufirmen und Planungsbüros. Deshalb wäre mein Wunsch, dass sich die Führungskräfte der Politik und der Deutschen Bahn intensiver und ehrlich mit den ausführenden Unternehmen zusammensetzen und gemeinsam planen. Nicht nur von oben entscheiden, sondern fragen: Was braucht ihr? Geht das so, wie wir uns das gedacht haben?
Dass es überhaupt passiert, stimmt mich optimistisch. Jahrelang wurde geredet, jetzt wird gehandelt. Und wir als GI-CONSULT sind mittendrin. Ich hoffe, der politische Wille bleibt bestehen. Wenn man aus den Kinderkrankheiten der ersten Projekte lernt, kann das Konzept langfristig wirklich etwas bewegen.
Wenn du eine Superkraft für deine Arbeit wählen könntest, welche wäre das?
Ich würde einen Zeitumkehrer wählen, wie ihn Hermine Granger in den Harry Potter-Büchern verwendet. Damit konnte sie alle parallellaufenden Kurse gleichzeitig besuchen. Ich würde ihn nutzen, um viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen und um mehr Freizeit zu haben.
Worauf bist du in deiner bisherigen Karriere am meisten stolz?
Stolz ist vielleicht das falsche Wort. Aber dass ich von der Riedbahn bis zum HLK Hamburg-Berlin in die Projektleitung reingewachsen bin, ohne das vorher gemacht zu haben, das rechne ich mir schon an. Die Kommunikation mit den Auftraggebern läuft gut und ich gehe in der Arbeit auf. Es ist anstrengend, aber ich will nichts anderes machen.
Was würdest du jemandem mitgeben, der Projektleiter bei solchen Großprojekten werden möchte?
Man sollte sich fachlich breit aufstellen. Das ist die Grundlage, um Probleme und Zeitbedarf realistisch einschätzen zu können. Dazu kommt gute Kommunikation. Man muss sichergehen, dass wirklich alle verstanden haben, was zu tun ist. Und man braucht Flexibilität, Spontaneität und den Willen, zu entscheiden, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen.
Sven, vielen Dank für dieses offene und persönliche Gespräch!